Quelle: Gefangene helfen Jugendlichen e.V.
Quelle: Christian Klant

Volkert


Ruhe


Gefangene helfen Jugendlichen e.V.



Fellow seit

2013


Kurzbeschreibung

Volkert Ruhe befähigt (ehemalige) Gefangene im Dialog, gefährdete Jugendliche von einer kriminellen Laufbahn abzubringen. So wirkt er nicht nur auf die Jugendlichen, sondern trägt auch zu einer Kultur der zweiten Chance bei, die in Deutschland heute in weiten Teilen fehlt.


Der Social Entrepreneur

Aufgewachsen in schwierigen Familienverhältnissen und mit einem gewalttätigen Vater, rutschte Volkert Ruhe bereits sehr früh in die kriminelle Szene ab. Nach langer Zeit der Arbeitslosigkeit kam er in Kontakt mit kolumbianischen Drogenhändlern, wurde erwischt und verbrachte daraufhin vier ..

Aufgewachsen in schwierigen Familienverhältnissen und mit einem gewalttätigen Vater, rutschte Volkert Ruhe bereits sehr früh in die kriminelle Szene ab. Nach langer Zeit der Arbeitslosigkeit kam er in Kontakt mit kolumbianischen Drogenhändlern, wurde erwischt und verbrachte daraufhin vier Monate im Gefängnis in Panama und weitere sieben Jahre in Haft in Hamburg. Währenddessen entwickelte er 1996 mit zwei weiteren Insassen das Konzept zu „Gefangene helfen Jugendlichen“ (GHJ), welches nach strukturellen Startschwierigkeiten seit 1998 läuft. Mit seiner Arbeit erreicht er nicht nur Jugendliche, sondern schafft auch bessere Resozialisierungsmöglichkeiten für (ehemalige) Inhaftierte.

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Der Ansatz

Der Verein Gefangene helfen Jugendlichen e.V. arbeitet präventiv mit Jugendlichen zwischen 12 und 21 Jahren, die am Rande einer kriminellen Laufbahn stehen oder bereits straffällig geworden sind. Die Arbeit erfolgt im Schulkontext als Präventionsunterricht, aber auch direkt in der ..

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Der Verein Gefangene helfen Jugendlichen e.V. arbeitet präventiv mit Jugendlichen zwischen 12 und 21 Jahren, die am Rande einer kriminellen Laufbahn stehen oder bereits straffällig geworden sind. Die Arbeit erfolgt im Schulkontext als Präventionsunterricht, aber auch direkt in der Justizvollzugsanstalt (JVA) – und immer in Zusammenarbeit mit (ehemaligen) Gefangenen, die Dialog auf Augenhöhe ermöglichen. Dabei setzt GHJ an mehreren Ebenen gleichzeitig an: Jugendliche werden bei der Erarbeitung von Lösungen effektiv eingebunden, die Opfer werden in den Blick genommen, pro-soziale Verhaltensweisen werden gefördert und Handlungskompetenzen vermittelt. Im Kern stehen drei Programme:

  • Gefährdete und delinquente Jugendliche erhalten über einen Ein-Tages-Besuch der JVA die Möglichkeit, fernab von TV-Serien die realen Lebensbedingungen in einer Haftanstalt kennenzulernen und dort auf Augenhöhe mit Inhaftierten zu sprechen.
  • Bei Präventionsunterrichten in Schulen und in Jugendhilfe-Einrichtungen werden Schüler und Lehrkräfte über das Leben in Haft, die Haftbedingungen, das Abrutschen in das kriminelle Milieu, Jugendgewalt und über Erfahrungen ehemaliger Inhaftierter informiert. Seit 2015 finden in diesem Rahmen auch Veranstaltungen zum Thema Drogen und Sucht sowie (Cyber-)Mobbing statt.

Durch das Projekt „Eiskalt gegen Gewalt“ wird unter Anwendung lerntheoretischer Methoden eine Verhaltensveränderung bewirkt, die die Teilnehmer befähigen soll, in Konfliktsituationen besonnen zu reagieren und ein gewaltfreies Leben zu führen.

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Warum ist das wichtig?

Laut der polizeilichen Kriminalstatistik von 2015 sind Jugendliche unter 21 Jahren verantwortlich für etwa 18 Prozent der gesamten Straftaten in Deutschland; 26 Prozent, sofern nur die auf Gewalt basierenden Verbrechen betrachtet werden. Zu 33 Prozent sind sie in den Handel und Schmuggel von ..

Laut der polizeilichen Kriminalstatistik von 2015 sind Jugendliche unter 21 Jahren verantwortlich für etwa 18 Prozent der gesamten Straftaten in Deutschland; 26 Prozent, sofern nur die auf Gewalt basierenden Verbrechen betrachtet werden. Zu 33 Prozent sind sie in den Handel und Schmuggel von Rauschgiften verstrickt. Im Vergleich zu ihrem Anteil an der Bevölkerung ist diese Gruppe somit in der Kriminalstatistik überrepräsentiert.

Ein wesentliches Mittel zur Verhinderung gewalttätiger Auseinandersetzungen ist die Fähigkeit und Bereitschaft zur Empathie. Die meisten gewalttätigen Jugendlichen haben kaum Schuldgefühle und sind wenig bereit, ihr Verhalten zu reflektieren und zu ändern. Bei GHJ geht es darum, durch den Dialog mit (ehemaligen) Gefangenen bei den Jugendlichen eine höhere Sensibilität für andere zu entwickeln sowie Hilfsbereitschaft und positives Verhalten zu fördern. Für (ehemalige) Gefangene wiederum steigert das Engagement bei GHJ die Chancen auf Reintegration – ein Feld, in dem es in Deutschland noch viel zu tun gibt.

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Einblicke


Input

Gesamtbudget 170.000 €, davon Personalkosten: 123.000 €, Raum- und Sachkosten: 47.000 €

Leistungen aus Ehrenamt und pro bono-Engagement: etwa 350 Stunden

Output

Allein am Standort Hamburg fanden im Jahr 2017 folgende Projekte statt: 95 Schulpräventionsunterrichte mit rund 2.400 TeilnehmerInnen

27 JVA-Besuche mit 227 erreichten Jugendlichen

11 Multiplikatorenveranstaltungen

3 Deeskalationstrainings

2 Lehrerfortbildungen

1 Pädagogisches Boxen wurde beendet, ein weiteres begonnen

1 Anti-Gewalt-Training wurde beendet, ein weiteres begonnen

Wirkung

Seit 2015 nutzen wir zur Evaluation unserer Projekte den standardisierten Fragebogen zur Erfassung von Empathie, Prosozialität, Aggressionsbereitschaft und aggressivem Verhalten (FEPAA). Folgende Daten geben die Mittelwerte für das Jahr 2017 an: Empathie um 11,6 Prozentpunkte gestiegen

Prosozialität um 5,4 Prozentpunkte gestiegen

Aggressionsbereitschaft um 10,5 Prozentpunkte gesunken

Aggressionshäufigkeit um 10,2 Prozentpunkte gesunken


Mitwirkende gesucht

Was wir aktuell planen:


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